Ein Plädoyer für gute Teilzeit
Teilzeit wird noch immer zu häufig als Notlösung behandelt. Das wird ihr nicht gerecht. Gute Teilzeit ermöglicht Teilhabe am Beruf, hält Wissen im Unternehmen, erleichtert die Rückkehr nach der Geburt und schafft Raum für Familie, ohne den Kontakt zum Arbeitsleben abzuschneiden.
Für Eltern ist Teilzeit oft der praktische Weg zwischen zwei Welten: Sie möchten ihr Kind selbst betreuen und zugleich beruflich nicht verschwinden. Für Arbeitgeber ist gute Teilzeit ein Instrument, qualifizierte Mitarbeiter zu halten. Für die Wirtschaft ist sie ein Baustein gegen Fachkräfteverlust. Teilzeit hat also einen eigenen Wert. Sie ist nicht nur weniger Vollzeit.
Teilzeit ist Teil der Vereinbarkeit
Vereinbarkeit von Familie und Beruf entsteht nicht durch einen einzelnen Baustein. Schon in meinem Buch zum Elterngeld habe ich den notwendigen Dreiklang beschrieben: finanzieller Schonraum durch das Elterngeld, gute Betreuungsinfrastruktur und eine familienfreundliche Arbeitswelt. Teilzeit gehört genau in diesen dritten Bereich.
Eine familienfreundliche Arbeitswelt zeigt sich nicht in Hochglanzbroschüren. Sie zeigt sich daran, ob Eltern nach der Geburt eines Kindes realistische Arbeitszeiten bekommen, ob Führung in Teilzeit möglich ist, ob beide Eltern Verantwortung zu Hause und im Beruf übernehmen dürfen und ob ein Teilzeitwunsch nicht sofort als Karriereschaden verstanden wird.
Aus der Praxis: Teilzeit ist keine reine Frauenfrage
In vielen Familien reduziert zuerst die Mutter. Das ist häufig die gelebte Realität, aber nicht automatisch der beste Plan. Wenn auch der andere Elternteil seine Arbeitszeit reduziert, entstehen oft mehr gemeinsame Zeit, eine fairere Verteilung der Betreuung und durch Elterngeld Plus oder Partnerschaftsbonus sogar bessere finanzielle Ergebnisse als zunächst erwartet.
Die Verbindung zum Elterngeld
Teilzeit ist menschlich und wirtschaftlich sinnvoll. Beim Elterngeld darf sie trotzdem nicht zufällig entstehen. Entscheidend sind Lebensmonate, Arbeitszeit, Zuverdienst, Mutterschutz, Elternzeit und die gewählte Elterngeldart. Ein guter Teilzeitbeginn im Beruf ist nicht automatisch ein guter Teilzeitbeginn für das Elterngeld.
Während des Elterngeldbezugs darf die Erwerbstätigkeit die zulässige Grenze nicht überschreiten. Für viele Gestaltungen sind außerdem Elterngeld Plus, der Zuverdienst beim Elterngeld und die Kappungsgrenze wichtig. Gerade bei Teilzeit entscheidet die Berechnung darüber, ob aus dem Wiedereinstieg ein guter Familienplan wird.
Expertentipp von Michael Tell: Teilzeit braucht einen Elterngeldplan
Die Frage lautet nicht nur, ob 20, 24 oder 32 Wochenstunden möglich sind. Die Frage lautet: In welchem Lebensmonat entsteht welches Einkommen und wie wirkt es auf Basiselterngeld, Elterngeld Plus oder Partnerschaftsbonus? Genau dort entscheidet sich, ob Teilzeit finanziell gut genutzt wird.
Elterngeld Plus und Partnerschaftsbonus
Elterngeld Plus ist für Teilzeit ein wichtiges Gestaltungsmittel. Es verlängert nicht nur den Bezugszeitraum, sondern kann bei richtig berechnetem Zuverdienst dazu führen, dass Eltern über einen längeren Zeitraum Elterngeld erhalten und gleichzeitig wieder Einkommen erzielen.
Besonders stark sind oft die Partnerschaftsbonusmonate. Dafür müssen beide Eltern in zwei bis vier aufeinanderfolgenden Lebensmonaten im Arbeitszeitkorridor von 24 bis 32 Wochenstunden liegen. Viele Eltern denken zunächst, dass sich diese Reduzierung nicht lohnt. In der konkreten Berechnung zeigt sich aber häufig, dass zusätzliches Elterngeld Plus den geringeren Arbeitslohn ausgleicht oder sogar übersteigt.
Teilzeit in Elternzeit ist ein eigenes Thema
Teilzeit und Elternteilzeit sind nicht dasselbe. Wer während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten möchte, muss Arbeitgeber, Elternzeiterklärung, Anspruchsverfahren oder Konsensverfahren, Arbeitszeit und Elterngeld zusammendenken. Dafür gibt es eine eigene Seite: Teilzeit in Elternzeit richtig planen.
Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Elternteilzeit und Teilzeit ohne Elternzeit. Bei weiteren Kindern kann diese Unterscheidung später Auswirkungen auf Mutterschaftsleistungen, Arbeitgeberzuschuss und Elterngeldplanung haben.
Typische Denkfehler bei Teilzeit
- Teilzeit wird nur als Einkommensverlust gesehen und nicht als gestaltbarer Familienplan.
- Der Teilzeitbeginn wird nach Kalendermonaten geplant, obwohl Elterngeld nach Lebensmonaten läuft.
- Elterngeld Plus wird gewählt, ohne den anrechnungsfreien Zuverdienst zu berechnen.
- Partnerschaftsbonusmonate werden verworfen, obwohl sie das Haushaltseinkommen verbessern können.
- Elternteilzeit wird zu spät mit dem Arbeitgeber besprochen.