Selbstständige
Elterngeld rückwirkend beantragen als Selbstständige
Selbstständige wissen beim Elterngeldantrag oft noch nicht, welche Einnahmen, Ausgaben und Gewinne nach der Geburt tatsächlich entstehen.
Die begrenzte Rückwirkung hilft deshalb dabei, einzelne Lebensmonate mit besseren tatsächlichen Zahlen zu planen. Sie ist aber eine Frist mit echtem Verlustrisiko.
Warum Rückwärtsplanung hilft
Bei Angestellten ist das Einkommen nach der Geburt oft relativ gut planbar. Bei Selbstständigen verschieben sich Zahlungseingänge, Ausgaben, Aufträge und Arbeitsphasen. Ein geplanter ruhiger Monat wird manchmal ein Gewinnmonat.
Innerhalb der gesetzlichen Rückwirkung liegen für zurückliegende Lebensmonate schon bessere Informationen vor. Dann lässt sich genauer prüfen, welche Monate beantragt werden, welche Bezugsform passt und welche Monate wegen hohem Gewinn den Plan verschlechtern.
Drei Lebensmonate, nicht drei Kalendermonate
Elterngeld wird rückwirkend nur für die letzten drei Lebensmonate vor Beginn des Lebensmonats gezahlt, in dem der Antrag eingeht. Maßgeblich ist der Eingang bei der zuständigen Stelle.
Wenn das Kind am 10. geboren wurde, läuft ein Lebensmonat vom 10. bis zum 9. des Folgemonats. Wer den Antrag einen Tag zu spät einreicht, verliert unter Umständen einen ganzen Lebensmonat.
Mehr tatsächliche Zahlen vor dem Antrag
Selbstständige sehen innerhalb der Rückwirkungsgrenze bereits, welche Einnahmen eingegangen sind, welche Ausgaben angefallen sind und ob ein Monat ohne Einnahmen geblieben ist.
Dadurch wird der Antrag nicht geraten, sondern aus den ersten tatsächlichen Verhältnissen entwickelt. Das ist besonders wichtig bei Elterngeld Plus mit Zuverdienst und beim Topf-Prinzip.
Vorläufiger zweiter Bezugsmonat
In Rückwärtsplanungen kann zusätzlich die Mindestbezugsdauer wichtig werden. Wenn bei einem selbstständigen Elternteil in den ersten drei Lebensmonaten nur ein wirtschaftlich passender Bezugsmonat sicher ist, muss trotzdem geprüft werden, wie der zweite Lebensmonat für diesen Elternteil zunächst sauber abgebildet wird.
In passenden Fällen kann ein späterer Lebensmonat, häufig der 14. Lebensmonat, als vorläufiger Sicherungsmonat in den Plan aufgenommen und später wieder angepasst werden. Das ist kein erfundener Monat und kein Automatismus. Es ist eine praktische Rückwärtsplanung, damit Mindestbezugsdauer, Rückwirkung, tatsächlicher Gewinn und spätere Änderung zusammenpassen.
Elterngeld Plus als Ziehharmonika
Für Selbstständige ist Elterngeld Plus oft ein flexibler Startpunkt. Es streckt den Bezug. Später werden einzelne Elterngeld-Plus-Monate unter bestimmten Voraussetzungen in Basiselterngeld umgewandelt. Dadurch verkürzt sich der Plan.
Die andere Richtung ist deutlich enger. Aus bereits gewähltem oder bezogenem Basiselterngeld wird rückwirkend nicht einfach Elterngeld Plus. Deshalb sollte die Bezugsform am Anfang bewusst gewählt werden.
Ab dem 15. Lebensmonat wird eine Lücke gefährlich
Nach dem 14. Lebensmonat darf der Bezug nicht beliebig unterbrochen werden. Ab dem 15. Lebensmonat muss in aufeinanderfolgenden Lebensmonaten mindestens ein Elternteil Elterngeld Plus beziehen, wenn spätere Monate erhalten bleiben sollen.
Ein ungünstiger Gewinnmonat darf deshalb nicht isoliert gestrichen werden. Erst muss geprüft werden, ob dadurch spätere Elterngeld-Plus-Monate verloren gehen.
Arbeitszeitangaben bleiben wahrheitsgemäß
Wenn ein selbstständiger Elternteil in einem Lebensmonat tatsächlich mehr als 32 Wochenstunden gearbeitet hat, besteht für diesen Monat kein Elterngeldanspruch. Diese Feststellung darf aber nicht durch bloße Behauptung entstehen.
Selbstständige erklären ihre Arbeitszeit selbst. Die Angabe muss wahr sein und im Gesamtbild plausibel bleiben.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zur Rückwirkung bei Selbstständigen
Wie lange wird Elterngeld rückwirkend gezahlt?
Elterngeld wird rückwirkend nur für die letzten drei Lebensmonate vor Beginn des Lebensmonats gezahlt, in dem der Antrag eingeht.
Warum ist Rückwirkung für Selbstständige besonders wichtig?
Selbstständige kennen Einnahmen, Ausgaben und Gewinn oft erst später. Innerhalb der Rückwirkung lassen sich tatsächliche Zahlen besser in die Monatsplanung einbeziehen.
Sollte ich als Selbstständige immer warten?
Nein. Warten hilft nur, wenn die Frist sicher kontrolliert wird und dadurch bessere Informationen entstehen. Ein verpasster Lebensmonat ist verloren.
Was passiert ab dem 15. Lebensmonat?
Ab dem 15. Lebensmonat sind Lücken besonders gefährlich. Wenn kein Elternteil Elterngeld Plus bezieht, gehen spätere Elterngeld-Plus-Monate grundsätzlich verloren.